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ZÜRCHER
OBERLÄNDER Freitag, 17.11.2000
Zrich braucht einen grossen Wurf
SBB und Kanton Zrich wollen 1,45 Milliarden
Franken in neuen Durchgangsbahnhof investieren
Violett eingezeichnet: der neue unterirdische Durchgangsbahnhof
Lwenstrasse, der neue Tunnel nach Oerlikon und die neue oberirdische
Verbindung nach Altstetten.
Die SBB und der Kanton Zrich wollen
gemeinsam 1,45 Milliarden Franken in einen zustzlichen Durchgangsbahnhof
unter dem Zrcher Hauptbahnhof und in einen Tunnel nach Oerlikon investieren.
Das letzte Wort hat das Volk.
Fr Paul Blumenthal, Mitglied der
SBB-Geschftsleitung, ist klar: Es braucht einen grossen Wurf, sagte
er gestern an einer Medienorientierung der Volkswirtschaftsdirektion in
Zrich. Man denkt mit dem jetzt vorgesehenen Ausbau des Knotens Zrich
an die nchsten 50 oder gar 100 Jahre. Parallel zum bereits in Tieflage
erstellten Bahnhof Museumstrasse will man auch auf der Seite Lwenstrasse
einen viergleisigen unterirdischen Bahnhof bauen. Er soll aber nicht nur
der S-Bahn dienen, sondern auch nationale und internationale Schnellzge
aufnehmen. Zusammen mit einer neuen unterirdischen Strecke nach Oerlikon
und weiteren Anpassungen ergeben sich Kosten von 1,45 Milliarden Franken.
Wichtig fr die ganze Schweiz
Das ist viel Geld, wie sowohl Blumenthal wie auch Regierungsrat Ruedi
Jeker erwhnten. Aber der Knoten Zrich ist nun einmal fr die ganze Schweiz
von Bedeutung, wie Blumenthal ausfhrte; nicht von ungefhr werden schon
jetzt im Raum Zrich jhrlich 100 Millionen Franken in den Ausbau des
Bahnnetzes investiert. Der Kanton soll nach Auffassung der SBB an den
jetzt vorgesehenen Ausbau einen Anteil von 40 Prozent tragen, also 580
Millionen Franken.
Der Regierungsrat beantragt dem Kantonsrat, diesen Betrag zu Lasten des
Fonds fr den ffentlichen Verkehr zu bewilligen. Dieser Antrag ist, rechtlich
gesehen, ein Gegenvorschlag zu einer Volksinitiative, die vom Verkehrsclub
der Schweiz (VCS) initiiert, aber von einer sehr breiten Trgerschaft
gesttzt wird. Bei der Lancierung erklrte zum Beispiel Stadtrat Thomas
Wagner im Einverstndnis mit dem gesamten Stadtrat, dass der Stadt sehr
an einem weitsichtigen Entscheid gelegen sei.
Die grosszgigere Variante
Die Initianten gingen allerdings davon aus, der neue Durchgangsbahnhof
lasse sich mit 600 Millionen Franken bewerkstelligen und rechneten mit
einem kantonalen Beitrag von 280 Millionen. Jeker erklrte, man knnte
tatschlich einen gnstigeren Bahnhof erstellen, wenn man ihn nur fr
die S-Bahn-Zge herrichte. Es brauche dann nmlich etwas weniger lange
Perrons und einfachere Zufahrtswege. Aber mit gut einer Milliarde Franken
msse man auch dann rechnen. An einen solchen Bahnhof wrden die SBB aber
nur, wie bei der ersten S-Bahn-Vorlage, 20 Prozent zahlen. Mit dem neuen
Vorschlag fr einen multifunktionalen Bahnhof also erziele man, vom Kanton
Zrich aus gesehen, einen hheren Wert fr weniger Geld. Er soll im Jahr
2012 betriebsbereit sein.
Der Bahnhof Lwenstrasse, wie er jetzt einmal provisorisch genannt wird,
soll also nicht nur die S-Bahn-Linien vom linken Zrichseeufer nach Oerlikon
aufnehmen, sondern beispielsweise auch die geplanten Schnellzge, welche
die grsseren Stdte miteinander verbinden. So erhielten, wie Blumenthal
feststellte, auch Dietikon und Altstetten deutlich mehr Schnellzugshalte
als heute. Auch die vorgesehenen Hochgeschwindigkeitszge knnten hier
ein- und ausfahren.
Kein Halt im Bankenviertel
Fallen gelassen hat man die Idee, eine der unterirdischen Zufahrtsstrecken
so zu legen, dass man beim Paradeplatz eine neue Bahnstation htte einrichten
knnen. Das habe sich als viel zu kostspielig erwiesen, war dazu von Christian
Schrli, dem Chef des kantonalen Amts fr Verkehr, zu erfahren.
Der Antrag ist dem Kantonsrat zugeleitet worden. Das letzte Wort wird
das Volk haben. Jeker meinte, er zweifle nicht an einem positiven Entscheid.
Die S-Bahn, die 1981 in einer denkwrdigen Abstimmung bewilligt worden
ist, sei so wichtig geworden, dass man sich nicht vorstellen knne, die
Weiterentwicklung nun einfach abrupt zu stoppen.
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Durchwegs Zustimmung bei den Parteien
Das am Donnerstag prsentierte Projekt eines zweiten unterirdischen Durchgangsbahnhofs
Lwenstrasse unter dem Hauptbahnhof Zrich stsst durchwegs auf Zustimmung.
Von einem sehr glcklichen Entscheid fr die Stadt Zrich sprach Stadtrtin
Kathrin Martelli auf Anfrage. Erstens habe man mit dem Projekt eine viel
bessere und stadtvertrglichere Lsung gefunden, als dies ursprnglich
mit dem Wipkingerviadukt und dem oberirdischen Flgelbahnhof vorgesehen
war. Zweitens bleibe die Stadt damit ein Knotenpunkt des ffentlichen
Verkehrs, und man schaffe auch Raum fr notwendige knftige Entwicklungen.
Der Durchgangsbahnhof Lwenstrasse werde im lokalen, nationalen und internationalen
Schienenverkehr entscheidende Verbesserungen bringen, ist die FDP des
Kantons Zrich laut ihrer Stellungnahme berzeugt. Die vorgesehenen Investitionen
seien sinnvoll, auch wenn die Kosten etwas hher ausfielen als in der
Volksinitiative pro Durchgangsbahnhof vorgesehen.
Seitens der SP beurteilte Kantonsrat Peter Stirnemann das Projekt sehr
positiv. Es sei besonders befriedigend, dass auf Grund der Volksinitiative
nun eine zukunftstaugliche Idee entstanden sei. Es handle sich um ein
anspruchsvolles Schlsselprojekt, einen Wurf in die Zukunft, mit dem
gleichzeitig auch kurzfristige Probleme gelst werden knnten.
Auch die CVP des Kantons Zrich erachtet den Durchgangsbahnhof als Notwendigkeit
von standortpolitischer und nationaler Bedeutung. Mit den hohen Investitionen
werde die Verantwortung fr einen zeitgemssen Ausbau des ffentlichen
Verkehrs wahrgenommen. Noch keine Stellung nehmen mochte am Donnerstag
die SVP.
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Freude bei den VCS-Initianten
Geschftsfhrer Markus Knauss begrsst Projekt
ZO/AvU: Herr Knauss, die vom VCS initiierte Volksinitiative
geht davon aus, dass der neue Bahnhof mit 600 Millionen Franken zu bauen
sei. Haben Sie sich verrechnet?
Markus Knauss: Nein, wir haben uns auf das Kernprojekt
beschrnkt. Ausserdem sind unseren Projekt Kosten berbunden worden, mit
denen wir nicht gerechnet haben.
Denken Sie, das Projekt der Regierung sei berdimensioniert?
Nein, ich finde, der Regierungsvorschlag sei eine sehr
gute Weiterentwicklung der Kernidee. Jetzt muss man im Detail prfen,
was technisch und politisch sinnvoll und machbar ist.
Wenn jetzt nur noch die Hlfte der Kapazitt fr die S-Bahn
und die andere Hlfte fr den Fernverkehr reserviert wird, sehen Sie das
fr richtig an?
Wir haben nichts dagegen, wenn man den Bahnhof und den
Tunnel noch besser nutzt, indem man auch Fernverkehrszge darin verkehren
lsst. Die Multifunktionalitt bedeutet effektiv einen Qualittssprung.
Haben Sie Freude am Gegenvorschlag?
Grundstzlich schon. Wir prfen jetzt, wie weit er wirklich
besser ist als die Volksinitiative und ob er auch eine reelle Chance auf
Realisierung hat.
Besteht die Mglichkeit, dass die Initiative zu Gunsten
des Gegenvorschlags zurckgezogen wird?
Das kann ich heute natrlich noch nicht sagen. Wir haben
jetzt ein halbes Jahr Zeit, um uns darber klar zu werden.
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