Fachliches
Durchgangsbahnhof
Mehr Bahn für
Zürich und die ganze Schweiz
Argumente zugunsten des Bahnhofs Löwenstrasse
Obwohl bisher keinerlei Gegnerschaft agiert, rührt ein überparteiliches
Komitee eifrig die Trommel für die Vorlage Durchgangsbahnhof
Zürich Löwenstrasse, über die im Kanton am 23. September
entschieden wird. An einer Medienkonferenz ersuchten Regierungsrat
Ruedi Jeker und SBB-Chef Benedikt Weibel um Zustimmung.
bd.
Als Ehrenpräsidenten des überparteilichen Komitees Pro
Durchgangsbahnhof Löwenstrasse hat der Verein zur Förderung
des öffentlichen Verkehrs (VöV) alt Regierungsrat Hans
Künzi gewinnen können. Der ursprünglich aus Olten
stammende "Vater" der Zürcher S-Bahn dementierte,
dass es sich eigentlich um eine Solothurner S-Bahn handle, obschon
auch SBB-CEO Benedikt Weibel und Regierungsrat Ruedi Jeker Solothurner
sind. Mit der Zustimmung zur S-Bahn habe Zürich in der schweizerischen
Verkehrspolitik eine klare Vorreiterrolle gespielt, wie die seitherigen
Bestrebungen andernorts zeigten.
Ausgewogene Finanzierung
In einem sehr engagierten Referat, in das sogar etwas Selbstkritik
für den Planungsirrtum Flügelbahnhof Sihlpost einfloss,
räumte Benedikt Weibel ein, dass er sich noch vor einem Jahr
den heutigen Stand der Vorlage kaum hätte vorstellen können.
Ein solches Tempo in der politischen Phase eines grossen Bauprojekts
sei in der Schweiz ungewöhnlich, wie die SBB aus ihren Erfahrungen
mit der Bahn 2000 wüssten.
Weibel hielt fest, dass die SBB den Bau des Durchgangsbahnhofs Löwenstrasse
unterstützten, weil die Vorlage marktgerecht sei, sich in nationale
Konzepte einfüge und den Kern eines Weiterausbaus des Netzes
darstelle. Das Vorhaben lasse sich schrittweise umsetzen und sei
finanzierbar. Mit dem Kanton Zürich hätten die SBB einen
starken Partner. Bei der Finanzierung sei darauf zu achten, dass
kein Anti-Zürich-Reflex entstehe. Der SBB-Chef dankte Kanton
und Stadt für die exemplarische Zusammenarbeit.
Volkswirtschaftsdirektor Ruedi Jeker sieht das Verkehrswachstum
als Folge der zunehmenden Arbeitsteilung und wirtschaftlichen Vernetzung
auf nationaler, kontinentaler und globaler Ebene. Der Wirtschaftsraum
dürfe sich nicht auf Kosten der Lebensqualität entwickeln.
Gegen Ende Jahr werde die kantonale Gesamtverkehrskonzeption im
Entwurf vorliegen. Sie solle einen grösstmöglichen Beitrag
zur Standortattraktivität des Lebens- und Wirtschaftsraums
Zürich leisten. Mit einer fortschrittlichen Verkehrspolitik
steigere der Kanton seine internationale Konkurrenzfähigkeit
- auch zum Nutzen der übrigen Schweiz.
Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs erübrigt für
Jeker den Handlungsbedarf beim Individualverkehr nicht. Ein gezielter
Ausbau vor allem des Hochleistungsstrassennetzes werde ebenfalls
geprüft. Der Bahnhof Zürich sei trotz grossen Investitionen
mit der ersten Etappe der Bahn 2000 wieder weitgehend ausgelastet.
Der Ausbau der S-Bahn und jener der nationalen und internationalen
Städteverbindungen erfordere zusätzliche Kapazitäten
sowohl auf den Strecken als auch im Zentrum des Netzes. Der Bahnhof
Löwenstrasse bilde eine Voraussetzung dafür, dass die
Bahn ihren Beitrag im Gesamtverkehr gemäss ihrer Stärke
leisten könne. Der Finanzierungsschlüssel mit einem Anteil
des Kantons von 40 Prozent oder 580 Millionen Franken sei ausgewogen.
Mehr als 80 Prozent Ja angestrebt
Kantonsrat Kurt Schreiber (evp., Wädenswil), Präsident
des VöV, wies darauf hin, dass die Zustimmung im Kantonsrat
ohne Gegenstimme erfolgte und dass ein breit abgestütztes Komitee
die Vorlage befürworte. Das Ziel sei, eine Ja-Stimmen-Mehrheit
von über 80 Prozent zu erreichen.
Neue Zürcher Zeitung, Ressort Zürich und Region, 29. August
2001, Nr.199, Seite 4
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