Fachliches
Durchgangsbahnhof
Einhellig fr Bahnhof Lwenstrasse
Kantonsrat bewilligt einen Staatsbeitrag von 580 Millionen Franken fr einen neuen Quantensprung
abr. Mit einem Aufwand von 1,45 Milliarden Franken soll die Kapazitt des Zrcher Hauptbahnhofs erneut stark erweitert werden; der
Kantonsrat hat gestern einstimmig einen Staatsbeitrag von 580 Millionen an das kostspielige Bauwerk bewilligt.
Eine mutige Lsung habe die Regierung da vorgeschlagen, lobte gestern die Prsidentin der Kommission fr Energie, Umwelt und Verkehr,
Esther Arnet (sp, Dietikon), als sie den regierungsrtlichen Antrag zur Volksinitiative Pro Durchgangsbahnhof vorstellte. Die Regierung
geht nmlich wesentlich weiter als die Initianten.
Diese verlangten mit ihrem Volksbegehren nmlich einen zweiten unterirdischen S-Bahnhof und fanden, dafr reiche ein Rahmenkredit von
280 Millionen Franken. Das Ziel der Initianten, zu denen neben Exponenten des Verkehrsclubs der Schweiz und weiteren Freunden des
ffentlichen Verkehrs auch Anwohner des ursprnglich von den SBB geplanten breiten Viadukts nach Wipkingen und sogar Stadtrat Thomas Wagner
gehrt, war es, den ungeliebten Nebenbahnhof bei der Sihlpost, den die SBB zur Erweiterung der Kapazitt vorsahen, ebenso berflssig zu
machen wie das Viadukt.
Zunchst wenig Musikgehr
Die SBB zeigten fr das Anliegen anfnglich wenig Musikgehr, auch der Kanton verhielt sich reserviert, bis dann mit dem Volksbegehren der
ntige Druck aufgesetzt wurde. Und jetzt liess sich auch Volkswirtschaftsdirektor Ruedi Jeker berzeugen. Als es sich zeigte, dass die
geforderten 280 Millionen nie und nimmer ausreichten, liess er nach Alternativen suchen, wobei jetzt auch die SBB mitmachten. Die
Fachleute kamen zum Schluss, besser als ein nur fr die S-Bahn geeigneter Durchgangsbahnhof wre ein Bahnhof, der auch Schnellzgen diene.
Die SBB erklrten sich bereit, unter diesen Umstnden an die Kosten von 1,45 Milliarden Franken fr den Bahnhof und die neue unterirdische
Verbindung nach Oerlikon einen Anteil von 60 Prozent zu bernehmen. Dem Kanton verbleiben so noch 580 Millionen Franken, was Esther Arnet
als fair bezeichnete. Ziel ist es, den Bahnhof und die Strecke nach Oerlikon im Jahr 2012 in Betrieb zu nehmen; die Anschlussbauwerke fr
den Verkehr nach Altstetten sollen bald darauf fertig gestellt sein.
Schiene und Strasse frdern
Smtliche Votanten lobten ausdrcklich, der Vorschlag der Regierung bedeute die beste politisch und finanziell machbare Lsung. Willy
Germann (cvp, Winterthur) htte es allerdings lieber gesehen, wenn man fr den Fernverkehr im Raum Altstetten/Herdern einen neuen
Durchgangsbahnhof gebaut htte, doch habe er einsehen mssen, dass dafr keine Mehrheit zu finden wre.
Verschiedentlich wurde moniert, mit dem Bahnhof Lwenstrasse drfe es natrlich nicht sein Bewenden haben, sondern es brauche weitere
Bahnausbauten wie eine schnellere Strecke nach Winterthur (der Hrlistein ist ein Engpass), einen neuen Juradurchstich fr schnellere
Verbindungen nach Basel oder auch einen Zimmerbergbasistunnel. Ferner msse man auch die Kapazitt von Tram und Bus erhhen.
Reto Cavegn (fdp, Oberengstringen) verwies darauf, dass man auch die Zu- und Wegfahrt zum Bahnhof fr Taxis und andere Autos verbessern
msse, und zudem meinte er im Verein mit Adrian Bergmann (svp, Meilen) und anderen SVP-Mitgliedern, der Kantonsrat solle sich dann ebenso
grosszgig zeigen, wenn es um Gelder fr Strassenausbauten gehe. Gaston Guex (fdp, Zumikon) fand, die Vorlage bedeute eine Chance und
einen Glcksfall fr den Lebensraum und den Wirtschaftsstandort Zrich. Kurt Schreiber (evp, Wdenswil) erklrte sich befriedigt, dass
man jetzt ein gutes Projekt vorliegen habe.
Wichtig fr Schnellzugsverkehr
Volkswirtschaftsdirektor Ruedi Jeker erklrte, der jetzige Entscheid sei so wichtig wie vor zwanzig Jahren der Beschluss zugunsten eines
S-Bahn-Systems im Kanton mit dem Bau der unterirdischen Station Museumstrasse und dem Tunnel nach Stadelhofen und weiter durch den
Zrichberg. Man kann sich nicht vorstellen, wie wir den Verkehr ohne S-Bahn bewltigen knnten, meinte er. Der jetzt bevorstehende
Ausbau bedeute erneut einen Quantensprung, und zwar diesmal auch fr den Schnellzugsverkehr. Und er versprach, die Regierung werde nicht
einseitig den ffentlichen Verkehr frdern, sondern auch fr den Strassenverkehr das Ntige tun.
Die ntige Verkehrsplannderung wurde dann mit 144 zu 0 Stimmen gutgeheissen, und mit 142 zu 0 Stimmen beschloss man, der Volksinitiative
den Vorschlag des Regierungsrats als Gegenvorschlag gegenberzustellen und diesen Gegenvorschlag auch dann dem Volk zu unterbreiten, wenn
die Initiative zurckgezogen wrde. Das Vorhaben sei so bedeutend, dass ein Volksentscheid angebracht sei, lautete die Begrndung dafr.
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