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«SBB - was nun?» - ein brisantes Buch

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Erstellt vor 11 Tagen durch IGV Zrich
SBB  was nun?  ein brisantes Buch
Das gefllt nicht allen, was da Matthias Finger, Professor an der EPFL, vorschlgt aber seine Thesen sind lesens- und bedenkenswert. In seinem Buch SBB was nun? Szenarien fr die Organisation der Mobilitt in der Schweiz argumentiert er gut untermauert, dass das hochtechnische Eisenbahnsystem Schweiz einen Systemfhrer braucht und warum diese Systemfhrerin die SBB sein soll. Da dies einem Monopol gleichkomme, brauche es die RailCom als unabhngiger Regulator. Das Bundesamt fr Verkehr (BAV) solle sich auf die politischen Rahmenbedingungen fr Bahn beschrnken.
Das Fern-Bahnsystem Schweiz ist ein S-Bahnsystem Schweiz. So knnte man Fingers berlegungen auch umschreiben, wenn er schreibt: Denn in Tat und Wahrheit wchst die Schweiz zu einer einzigen grossen Metropolitanregion zusammen, mit einem Central Park in der Mitte: den Alpen. Zwei Metrolinien Gottthard und Ltschberg fhren bereits unter dem Park durch. Daraus folgert er, dass dieses hochkomplexe und engverzahnte Bahnnetzwerk Schweiz eine kompetente Fhrung brauche. Dazu fhig sei eigentlich nur ein Bahnunternehmen wie die SBB. Wettbewerb sei fehl am Platz, weil es gar keinen gbe. Mitbewerber seien nur an lukrativen Linien interessiert. Das ist eine der Hauptthesen des Autors. Selbst im regionalen Personenverkehr (RPV) existiere mit Ausschreibungen und den Subventionen eher ein Pseudo-Wettbewerb. Auch wenn sich der Autor nicht grundstzlich gegen Wettbewerb stellt, steht fr ihn fest, dass dieser nicht Selbstzweck sein darf sondern nur ein Mittel zum Zweck fr ein volkswirtschaftlich optimales Mobilittssystem. Er befrchtet wohl zu Recht, dass solcher Pseudo-Wettbewerb zu einer berregulierung fhren wrde er nennt es Tod durch Mikromanagement.


Ein Blick zurck vor die Grndung der SBB 1902 schadet an dieser Stelle nicht. Es zeigt den erbarmungslosen Verdrngungskampf unter den Privatbahnen: Wohl besass jede Eisenbahngesellschaft ihren geographischen Heimmarkt; doch die Natur der Sache brachte es zwangslufig mit sich, dass die rumlich getrennten Gesellschaften frher oder spter miteinander in Berhrung kamen. Sei es, dass die Linien der einen auf diejenigen einer anderen stiessen sei es, dass eine Gesellschaft die andere bernahm. (aus Alfred Escher: Aufstieg, Macht, Tragik von Joseph Jung, Verlag NZZ).

Zurck zum Buch SBB was nun?. Zur Begrndung, wieso nicht ein Bundesamt eine Systemfhrung bernehmen soll und kann, macht Finger den Vergleich zu einem anderen Infrastrukturbereich, zur Stromversorgung. Die nationale Netzgesellschaft Swissgrid ist verantwortlich fr Betrieb und berwachung des Schweizerischen Strombertragungsnetzes. Die Eidgenssische Elektrizittskommission ElCom ist die unabhngige staatliche Regulierungsbehrde im Elektrizittsbereich. Das Bundesamt fr Energie (BFE) ist das Kompetenzzentrum fr Energiefrage und bert die Politik. Analog dazu wre die erfolgreiche SBB als Systemfhrerin verantwortlich fr den zuverlssigen Betrieb des Bahnnetzes, die RailCom (ehemalige Schiedskommission im Eisenbahnverkehr) wre die unabhngige staatliche Regulierungsbehrde und nicht das BAV, welches analog dem BFE die Politik kompetent beraten solle und nur das.
Diskussionen drfte zudem der Vorschlag Fingers auslsen, die Bundesmter BAV (Schiene), Astra (Strasse) und ARE (Raumplanung) in einem Mobilittsamt zusammenzufassen. Das macht Sinn, weil Finger lieber von einem schweizerischen Mobilittssystem als einem Bahnsystem spricht. Eine so verstandene Gesamtverkehrsstrategie kann sich auch gelassener den grossen Herausforderungen der Digitalisierung stellen. Und es wrde zu einer konsistenteren Verkehrs- und Raumplanung fhren.

Das Buch ist in sieben Kapitel gegliedert. Von den verschiedene Etappen des Bahnbaus in der Schweiz seit 1848, ber die vielen Nrgeleien an den SBB, die uns abhalten ber die wirklichen Herausforderungen nachzudenken, die er dann auch im nchsten Kapitel benennt, beschreibt Matthias Finger Politik-Szenarien, die letztlich in ein Systemfhrer-Szenario mnden mit der klaren Haltung, dass diese Systemfhrung nur bei den SBB liegen kann.

Zu Beginn schreibt Matthias Finger Dieses Buch ist ein end-of-career book. Darum ist es auch in der Ich-Form geschrieben, ohne akademischen Schnickschnack und ohne Referenzen. Es geht um meine persnlichen Ideen, berlegungen und Argumente, die ich ber die Zeit entwickelt und przisiert habe. Argumente brauchen keine Referenzen, aber sie sollten berzeugen hoffentlich. Auch wenn das eine oder andere noch genauer diskutiert werden msste: im Wesentlichen berzeugen seine Argumente. Eine ernsthafte Diskussion seiner Thesen sollte aber jetzt beginnen und dazu bildet dieses Buch eine fundierte Grundlage.

Matthias Finger ist promovierter Politologe und seit 2002 Professor fr Management von Netzwerkindustrien an der ETH Lausanne (EPFL), seit 2010 lehrt er zudem an der Florence School of Regulation.

Das Buch ist erhltlich im Buchhandel oder unter www.nzz-libro.ch auch als E-Book

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