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2018: Aus für 18 SBB-Billet-Agenturen im Kanton Zürich?

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Erstellt vor 3 Monaten durch VöV ZH
2018: Aus für 18 SBB-Billet-Agenturen im Kanton Zürich?
An schweizweit 52 Standorten wollen die SBB die Partnerschaften für den Verkauf von Bahnbilletten per Ende 2017 auflösen; 18 Standorte befinden sich im Kanton Zürich. Der VCS Schweiz hat im März dieses Jahres den SBB eine Petition mit rund 32’000 Unterschriften gegen diese Schliessungen überreicht. Mitunterzeichnerin war unter anderem auch unsere Dachorganisation IGöV. Der VöV Zürich versucht, differenziert Stellung zu nehmen.
Ist es nur Abbau oder auch Umbau der Vertriebsmöglichkeiten und sollte nicht an jedem Standort individuell die optimalste Lösung gefunden werden? Die Partnerschaften mit Post-, Avec-, Migrolinoläden und anderen privaten Stationshaltern haben sich zwar bewährt und werden von Bahnkunden geschätzt. Aber es rentiert trotzdem nicht – ein Billet am Schalter kostet die SBB offenbar fünf Franken. Gemäss SBB werden rund 55% der Billette an Automaten gekauft, die anderen 45% je rund zur Hälfte online oder am Schalter – also nur noch jedes fünfte Billet am Schalter. Zudem erfolgt der Verkauf der bis jetzt einträglichen Verkäufe der Generalabonnemente zunehmend online. Der VöV Zürich findet es verständlich, dass die SBB daher Überlegungen anstellen, welche Massnahmen zur Kostenreduktion zu treffen sind. Letztlich sollen sie aber auch nicht die Kosten allein tragen für allgemeine gesellschaftliche Dienstleistungen.

Aber ist die Aufkündigung der Partnerschaften mit Privaten der alleinige Weg? Immerhin 20% der Fahrgäste wünschen eine persönliche Beratung, nicht nur ältere Menschen, auch solche, die mit Automaten oder dem Internet nicht zurechtkommen. Sofern man nicht ein GA besitzt, ist der Dschungel der Sparbillette, Spezial-Aktionen, Touristikangebote, u.a.m. ein dichter. Die alternativen Vertriebs- und Informationssysteme der SBB decken zwar einen Teil der erwähnten Bedürfnisse ab. Telefonische Beratung und Bestellung über den Railservice können aber ganz schön teuer sein und der ZVV-Contact im Kanton Zürich erteilt nur Auskünfte. Ob die 24-Stunden Helpline für Billetautomaten eine wirkliche Hilfe darstellt, wenn man im Gedränge vor dem Automaten steht, wird sich zeigen. Die kostenlosen Kursangebote ‚mobilsein-mobilbleiben’ sind ein löbliches Angebot und motivieren zudem die Menschen, selber aktiv zu sein.

Trotzdem fragt sich der VöV Zürich, ob eine Schliessung für alle betroffenen Verkaufstellen das letzte Wort ist oder ob nicht je nach Lage des Bahnhofs kreativere Lösungen denkbar sind. Dort wo es zum Beispiel aus siedlungspolitischen Gründen erwünscht wäre, dass ein Betreiber dazu beiträgt, ein Gebiet belebter zu machen und der Laden ohnehin offen ist. Die SBB täten gut daran, sich jede betroffene Drittverkaufstelle zusammen mit der jeweiligen Gemeinde und dem zuständigen MVU nochmals anzuschauen, um allenfalls bessere Lösungen mit einem neuen Kostenteiler zu finden. Daher sollte bei einzelnen Verkaufstellen auch eine Fristerstreckung in Erwägung gezogen werden. Das könnte durchaus eine win-win-Situation ergeben: der Gemeinde brächte es einen Standortvorteil und den Betreibern des öV Goodwill der Kund/-innen, vor allem dem grössten öffentlichen Transportunternehmen SBB.

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