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Begehung Wallisellen-Dietlikon

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Erstellt am 04.09.2021 durch IGöV Zürich
Begehung Wallisellen-Dietlikon
Am 9. Juli 2021 führten der schweizerische Umweltfachleuteverband (SVU/ASEP) und die IGöV-Zürich auf dem Trassee der künftigen SBB-MehrSpur Zürich-Winterthur eine Begehung durch. Unser Vorstandsmitglied Matthias Gfeller hat diese Begehung organisiert und den folgenden Bericht verfasst.
Heute verkehren täglich über 120´000 Personen zwischen Winterthur und Zürich per Zug; womit die kurvenreiche Doppelspur­strecke zwischen Effretikon und Winterthur zu Spitzenverkehrszeiten vollständig ausgelastet ist. Im Rahmen des Ausbaus der Bahninfrastruktur (Ausbauschritt 2035) evaluierten der Bund und die SBB den Bau des damals «Brüttener-Tunnel» benannten Projektes. 2019 haben National- und Ständerat dieses Projekt in den kommenden Ausbauschritt der Bahninfrastruktur (STEP 2035) aufgenommen und gutgeheissen.
Im dicht besiedelten, mittleren Glatttal des Kantons Zürich grenzt es an ein Wunder, eine neue Eisenbahn-Hochge­schwin­digkeits­strecke zu trassieren! Eine Gruppe der IGöV Zürich hat - sekundiert durch Fachleute des Schweizerischen Verbandes der Umweltfachleute (SVU) - dieses raum- und verkehrs-planerisch äusserst anspruchsvolle Gelände besucht (vgl. Luftbildausschnitt 1).
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Unter der kundigen Leitung durch Gerhard Steiner, Gesamtprojektleiter der SBB für diesen Streckenausbau und Rolf Keller (SBB) konnten wir uns ein Bild von der Komplexität dieses Vorhabens, welches sich bald nach Beginn der Planungs­arbeiten zu einem ausserordentlich komplexen Gesamtverkehrsprojekt entwickelte, machen.

Mit der zusätzlichen Doppelspur (= MehrSpur) soll der Engpass Winterthur – Zürich behoben werden. Auf der Strecke können neu rund 900 Züge pro Tag fahren. Dem Richtplan-Entscheid des Zürcher Kantonsrates entsprechend, wurden sowohl die Flughafen-Linie ab Bassersdorf, als auch die «alte» Stammlinie via Wallisellen an den neuen, rund 8km langen Tunnel angeschlossen. Das bedingt einen Tunnel mit drei{!} Tunnelportalen. Das Prinzip des kreuzungsfreien Fahrens macht zudem eine zusätzliche, fast 600m lange, einspurige Brücke als Überwerfung westlich von Wallisellen notwendig. Ebenfalls kreuzungsfrei soll die Einfahrt nach Dietlikon ausgestaltet werden, eine Planung, welche sich nicht ohne Kopfzerbrechen entwickeln liess: Eine ebenfalls vorgesehene «Überwerfung» mutierte im Rahmen der ersten Planungsphasen – nomen est omen – zu einer «Unterwerfung».

Der Lärmschutzexperte Olof Kühnholz erläuterte, dass es bei einem Zusammentreffen von sehr vielen unterschiedlichsten Lärmquellen an einem Standort nicht statthaft wäre, die entsprechenden Dezibel-Werte einfach zu summieren. Die lokale Politik forderte mit Nachdruck, dass Interessen aller betroffenen Nutzungen, insbesondere auch die Naherholung adäquat zu berücksichtigen sind. Die landschaftliche Situation zwischen Wallisellen und Dietlikon mit dem Hörnligraben als Siedlungs­trenngürtel und wichtigem Naherholungsgebiet rechtfertigt, besonders hohes «Augen- (besser: Ohren-) merk» auf die neuen, zusätzlichen Lärmauswirkungen in dieser Gegend (vgl. Luftbild 2) zu werfen.

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Gleichzeitig nutzt der Kanton nun die Chance zum Ausbau der Velorouten parallel zur Eisenbahn­trasse insbesondere im Bereich Oerlikon - Wallisellen. Dieser Streckenabschnitt wird als sogenannte Veloschnellroute mit Raum für gleich­zeitiges Kreuzen und gegenseitiges Überholen der Fahrräder ausgestaltet. In Dietlikon kann zudem der letzte Niveauübergang zwischen Zürich und Winterthur aufgehoben und somit auch der automobile Verkehrsfluss sowie die Sicherheit generell verbessert werden, wie Viktoria Herzog vom Amt für Mobilität des Kantons Zürich und die Vertreter der SBB erläuterten.

Fazit: Zwischen Zürich-Nord und Winterthur schicken sich die SBB an, ein neues Meisterwerk von Planung und Ingenieurskunst zu realisieren. Es dürfte wohl auch künftig ein lohnendes Ziel für entsprechende Fachexkursionen sein.

Matthias Gfeller

Luftbild-Ausschnitte aus: Orthofoto ZH 2014–2020 aus dem GIS des Kantons Zürich (www.maps.zh.ch)

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